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  • AutorenbildJoël

Abenteuerlust

Voller Freude sitze ich vor der Sommer 2023 Ausgabe des Globetrotter-Magazin, welches ich hier im Hotelito Swiss Oasis in Puerto Escondido, Mexiko, gefunden habe. Bei zwei Beiträgen bleibe ich hängen. Da wäre zum einen die abenteuerreiche Fahrradreise zweier Schweizer und die Low-Budget Reise eines deutschen Pärchens von Deutschland nach Neuseeland (ohne Flugzeug). Wenn ich diese Worte lese, kommen auch in mir zahlreiche Erinnerungen unserer Abenteuer der letzten zwei Jahre hoch. Und trotz Reisemüdigkeit und der Entscheidung im August wieder in die Schweiz zu kommen wächst in mir die Reiselust…

Zurück nach Bangkok - März 2024. Bruno & Barbara sind bereits auf dem Weg zurück nach Hause. Auch wir haben entschieden wie es weitergehen soll. Wir waren uns lange nicht so sicher. Sollen wir den bereits gebuchten Bus nehmen und nach Kambodscha fahren? Die Anlage Angkor Wat muss unglaublich schön sein. Die Reiselust flüstert auch Ideen zu Vietnam, Indien, Nepal, Laos und Bhutan ins Ohr. So viele wunderbare Möglichkeiten liegen vor uns. Einmal mehr wird uns der Luxus bewusst, den wir hier leben dürfen. Einmal mehr merken wir wie unglaublich glücklich wir uns schätzen dürfen, in der Schweiz geboren zu sein. Viel haben wir ja nicht dazu beigetragen, das haben unsere Eltern für uns übernommen. Ein Leben in der Schweiz ermöglicht uns allen so viele Möglichkeiten. Wir können hinreisen wo wir wollen und wann wir wollen. Wir müssen uns nur dazu entscheiden. Ja klar, einige denken vielleicht „aber ich habe noch ein Haus, eine Hypothek, einen Job, ich kann nicht einfach so weg“. Aber sind wir ehrlich, es gibt immer Möglichkeiten, man muss sie nur suchen wollen und eine kleine Prise Mut aufbringen. Zurück zu Kambodscha. Oder eben nicht. Wir gestehen uns ein, dass wir uns reisemüde fühlen. Unsere Reisespeicher sind mittlerweile ganz schön gut gefüllt und nicht mehr so aufnahmefähig wie zu Beginn. So erachten wir es als respektlos weitere magische Orte zu besuchen ohne mental wirklich 100% anwesend sein zu können. Wir wollten auf unserer Reise nie eine „Checkliste“ abarbeiten - wir wollten los, entdecken gehen und unserer Intuition folgen. Die hat uns in den letzten 2 Jahren nie enttäuscht. So hören wir auch bei dieser Entscheidung auf unser Bauchgefühl und entscheiden uns gegen einen längeren Aufenthalt in Südostasien - so gerne wir dies auch getan hätten. Südostasien & Asien allgemein brauchen noch etwas Zeit zum Reifen.

Ein Ticket zurück in die Schweiz als Alternative? Noch zu früh. Das Hotelito Swiss Oasis in Mexiko, das wir bereits einmal hüten durften, hat nämlich angeklopt. Weil uns dies so gefallen hat, reisen wir nochmals nach Lateinamerika. Jedoch mit einem kleinen Umweg: wir können nicht widerstehen und besuchen nochmals das Land unserer Träume: bem-vindo ao Brasil!

Wir möchten nochmals in den Süden Brasiliens, in die Region Santa Catarina. Wir haben uns beim ersten Besuch sofort verliebt und wollten herausfinden, ob dies dem Reise-Hoch geschuldet war oder ob uns diese Region wirklich verzaubert hat. Via Kuala Lumpur, Doha, São Paulo und einem zwei-tägigen Roadtrip via Curitiba erreichen wir müde das kleine Küstendörfchen Ibiraquera. Hier dürfen wir die nächsten 6 Wochen in einer wunderschönen Wohnung umgeben von dschungligem Grün und flankiert von einer glitzrigen Lagune verbringen. Die Morgenzeit ist magisch: die vielen Fenster lassen die Sonnenstrahlen rein, wecken uns und die vielen Zimmerpflanzen auf (ausser Nadine, da geht nichts ohne Kafi) und werden begleitet von einer vogelzwitschrigen Symphonie. Gut zugegeben, etwas übertrieben. Einige Vögel sind echt laut und haben mit Symphonie wenig am Schnabel aber grundsätzlich ist es wirklich so: schlicht und einfach paradiesisch. Die Landschaft ist gezeichnet durch unendliche Sanddünen, die von vielfältigen Pflanzen in allen Grüntönen beheimatet werden und farbenfrohen Vögeln ein Zuhause schenken. Daneben finden sich spiegelglatte Lagunen und kleine Bäche, die sich durch die hügelige Landschaft schmeigen. Die Strände sind lang und schön und führen die wanderlustigen Menschen über naturbelassene Wege vom einen Strand zum nächsten - ein echtes Küstenwanderparadies. Etwas weiter im Landesinneren finden sich Hügel, Schluchten, Wasserfälle und Berge - grün wohin das Auge reicht. Spätestens als wir bei einer Morgenwanderung ungefähr 15 Tucans sehen sind wir uns sicher: dieser Ort ist wirklich magisch und hat uns bereits wieder in seinen Bann gezogen. Wir verbringen sehr viel Zeit draussen und liebäugeln sogar damit, hier ein Stück Land zu kaufen. Wir treffen viele Leute und informieren uns über die Möglichkeiten. So weit so gut. Ein kurzer Check unseres Kontostands lässt uns wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen. Halb so wild, wir haben unser Geld in den letzten Monaten gegen unvergessliche Momente eingetauscht, da liegt halt ein Stück Land in Brasilien nicht auch noch drin. Ganz abgeschrieben haben wir die Idee aber nicht.

Unser Alltag in Brasilien ist vorwiegend draussen (ausser es regnet mal wieder eine Woche ununterbrochen), gezeichnet durch Wanderungen, Entdeckungstouren, Sauerteigbrot backen und Kaffee ausprobieren. Nadine schliesst im nahegelegenen Florianopolis den Barista Fundamentals Kurs ab. Was für eine tolle Erfahrung - eine Kaffee-Ausbildung in einem Kaffee-Land! Daneben lernen wir viele spannende Menschen kennen, treffen viele Strassenhunde und schauen gespannt den alltäglichen Naturspektakeln zu. Ja, uns gefällt es sehr in dieser Region. Nach einer tollen Zeit in der südbrasilianischen Region wird es Zeit sich zu verabschieden. Aus weiter Ferne hören wir bereits die leisen Rufe des Hotelito in Mexiko. Eigentlich möchten wir gar nicht weg hier und trotzdem freuen wir uns extrem auf Mexiko. Nach einem emotionalen Abschied, der unsere Augen mehr als normal befeuchtet hinterliess, sitzen wir wieder im kleinen Renault Kwid (der in Brasilien „Kwitschi“ genannt wird) und flitzen via Curitiba hoch nach São Paulo. Mit unserem perfektem Timing (wir sind eben spitzenmässige Planer) erreichen wir die Grossstadt in der Rush Hour. Die nerven liegen blank (oder nahe) und es leert sich der Tank. Auch mit dem Navi ist es nicht ganz einfach die richtige der vollgestopften 14 Spuren zu erwischen. Nach ein paar gekonnten (und definitiv so geplanten) Zusatzschlaufen (eine hat in einer Busse geendet, wieso ist nicht ganz klar...) erreichen wir erschöpft den Flughafen, wo wir uns von unserem kleinen Flitzer verabschieden und via Kolumbien nach Mexiko fliegen.


Hier werden wir von Renuela (so nennen wir die lustigen Vögel René und Manuela) und einem goldenen Vollmond herzlich willkommen geheissen. Was für eine Freude wieder hier zu sein. Vielleicht kennt ihr das Gefühl: ihr besucht einen Ort, den ihr bereits kennt, und die Düfte dieses Orts steigen euch sofort in die Nase und lassen wunderbare Erinnerungen in euch hochkommen. Es fühlt sich richtig gut an wieder hier zu sein. Wir sind extrem dankbar für diese erneute Möglichkeit als Hotelmanager auftreten zu dürfen. Weil auch Renuela gerne reisen und die Zeit voll ausschöpfen möchten ist die Übergabe dieses Mal sehr kurz - wir sind aber sehr schnell wieder drin, als wären wir nie weg gewesen. Während der nächsten 3 Monate dürfen wir nochmals dieses niedliche Hotel leiten, gewonnene Freunde treffen und „Viva Mexico cabrónes-Luft“ schnuppern. Schon witzig, wenn man bedenkt, dass uns Puerto Escondido anfänglich gar nicht so gefallen hat.


Das Ende unserer tollen Reise ist absehbar. Ein wahrlich spezielles Gefühl. Ich pflege bei diesem Punkt immer zu sagen „unsere Reise geht nie zu Ende, schlussendlich ist das ganze Leben eine Reise“ worauf Nadine sagt „ja du wieder, du wiesst wie ich es meine, wenn ich sage, es geht dem Ende entgegen“. Und klar, Teile in mir möchten nicht ganz einsehen, dass sich diese wunderbare Zeit einem Ende neigt. Andere Teile in mir haben auf genau dieser Reise eben genau das gelernt: das Leben ist eine wunderbare Reise. Ich bin unendlich dankbar für diese Erkenntnis. Egal, ob wir kreuz und quer durch Lateinamerika ziehen oder einem strukturierteren Alltag in der Schweiz nachgehen. Und jetzt, wo die Schweiz näher und näher kommt & neue Kapitel geschrieben werden, suchen mich immer wieder tolle Erinnerungen unserer Reise auf. Ich merke, dass ich noch gar nicht wirklich begriffen habe, was wir hier eigentlich alles erlebt haben. Wahrscheinlich werde ich das auch nie tun. Aber es hat definitiv ein Feuer in mir entfacht - ein Feuer, das für eine sehr lange Zeit in mir brennen wird. Und sehr gut möglich, dass die nächste grosse Reise in nicht allzu ferner Zukunft wieder anklopft und uns mitnimmt, uns wunderbare Orte zeigt und uns gemeinsam Erinnerungen schaffen lässt. Eine Reise nach Asien mit dem Fahrrad - das wäre doch was?!? Schon nur der Gedanke an solche Abenteuer lässt mein Herz höher schlagen und ein wohliges Gefühl macht sich in der Brust breit. Aber genug des träumens. Zeit den Gästen ihre Zimmer zu zeigen, die klingeln mich schon wahnsinnig hier. Länger kann ich sie wohl nicht mehr warten lassen, sonst werden sie durch die Sonnenstraheln geschmolzen und sind dann echt nicht mehr so einfach vom Boden zu entfernen. Ja ich bin ein echt guter Hotelmanager, wie ihr seht. Sowas liegt mir einfach!


Hasta pronto, besos de Mexiko cabrónes


Nadine y Joël




 









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