• Nadine

Saudades do Brasil

Klar, es ist bereits ein kleines, längeres Weilchen her, seit wir Brasilien verlassen haben. Wir benötigten einfach etwas mehr Zeit, dies zu verdauen - saudades demais.

Ihr fragt euch sicher, was bedeutet saudades (ausgesprochen, als würde man niesen „saudatschis“)? Google kann euch sicher auch weiterhelfen. Aber wir versuchen es euch in unseren Worten zu erklären, schliesslich wissen wir das jetzt besser als Google.

Saudades beschreibt das Gefühl, etwas sehr stark zu vermissen. Das ist die Kurzversion. Das Wort lässt sich nämlich nicht eins zu eins ins Deutsch übersetzen (deutsche Sprache, schwierige Sprache). Der Begriff „saudades“, bzw. vielmehr das damit gemeinte Gefühl, können wir in der deutschen Sprache nicht mit einem spezifischen Wort ausdrücken. Daher möchten wir euch in unseren Worten erklären, was für uns „saudades do Brasil“ bedeutet…

...all die unvergesslichen Begegnungen mit den Strassenhunden Brasiliens, mit ihren zum-dahinschmelzen-warmen Hundeblicken, ihrem Schmuseverlangen und ihrer Begleitung auf Wanderwegen, das löst saudades bei uns aus.

...ob Açai, Farofa, Feijoada, Tapiocas, Caipirinhas, Pão de Queijos, Birgadeiros oder Caldo de Cana, spielt kein Rugel, schon nur ein Gedanke an diese leckeren Köstlichkeiten und wir spüren, wie saudades in uns hochsteigt und wir emotional werden.

...ob „devagar, devagar, e devagarinho“, Samba, Pagode oder Funk do Brasil, die vielfältige Musik Brasiliens löst unbeschreibliche Gefühle in uns aus, in denen atemberaubende Landschaften & Naturspektakel als eine Art Spielfilm über die Leinwand unseres geistigen Auges flimmern und unsere Augen feucht werden lassen.

...und das Lachen, meine lieben Leute, das Lachen der lieben Leute Brasiliens. Es kommt von so tief aus dem Inneren dieser wunderbaren Wesen, tief aus ihrem Herzen. Selten in unserem Leben durften wir so viele herzliche Lachen von Fremden entgegennehmen. Auch diese Erinnerung, löst saudades in uns aus.

Na, versteht ihr nun besser was saudades do brasil für uns bedeutet?

Glaubt uns, wir könnten noch lange so weitermachen, sem problemas. Gerne möchten wir noch ein paar spezifischere Momente mit euch teilen, damit wir euch die umfassenste Erklärung für „saudades“ aller Zeiten liefern können:

...da wäre zum Beispiel der faszinierende Sonnenuntergang in Rio de Janeiro, den wir auf der Spitze des süssen Zuckerhuts bestaunen durften. Die staunende Menschenmenge stimmte in einen Countdown ein und applaudierte der untergehenden Sonne zu. Was danach passierte, war eine Präsentation der schönsten Himmelfarbpalette der Natur.

...da war Mario, der Portier in Angra dos Reis. Er quatschte uns an mit „itsaaa meee Mario“ und fragte interessiert nach unseren Plänen, unserem Leben und gab uns Tipps für die Region. Voller Freude blieben wir jedes Mal ein paar Minuten bei ihm hängen, unterhielten uns über Gott und die Welt und hatten eifach e gueti Zyt.

...das Wiedersehen in einem typisch brasilianischen Restaurant in Santos mit Luciano und seinen Söhnen, bei denen Nadine während ihrem intensiven Studienaufenthalt 2016 wohnen durfte. Sie begrüssten uns mit der Lieblingsspeise von Nadine, Joël & Tina (einem 500g Eimer voller Paçoquitas = Erdnusspellets), auf dem die Schweizerfahne aufgeklebt war. Ein Geschenk, für Nadine, die brasilianischste Schweizerin, die sie je getroffen haben.

...die Freude, beim Besuch im Dreadlock-Studio, auf dieselbe Rasta-Frau (Miss Dread) zu treffen, bei der Nadine 2016 bereits ihr Haar aufpimpen liess. Die noch grössere Freude, dass auch Miss Dread Nadine wiedererkannte.

...das spontane Gespräch mit zwei Amigos beim Vorbeigehen am Outdoor-Gym in Angra dos Reis, welche, oh Wunder, uns als Gringos identifizierten und interessiert mit uns quatschen wollten. Voller Freude verweilten wir bei ihnen und liessen uns mit lieben Worten und Empfehlungen überhäufen.

...die wunderbare Begegnung mit Alex, dem Hostel-Besitzer in Rio de Janeiro, der uns mit einer Datenbank längst vergessener brasilianischer Filme und Musikstücke versorgte, weil wir gegenüber der brasilianischen Kultur offen und interessiert waren, wie er sagte.

...die spannenden und unterhaltsamen Gespräche mit Marcela und Felipe, den Receptionistas, während unserer schweisstreibenden Arbeit an der Rezeption in Foz do Iguaçu. Marcela, die oberfreundlich die Mosquitos bat, ihren Körper in Ruhe zu lassen (auf brasilianisch: „com lizença“, was etwa als „wenn ich doch bitten darf“ übersetzt werden kann). Felipe, der sich immer über Gäste lustig gemacht hat, die gefragt haben „como funciona a pousada aqui?“ (wie funktioniert das Bed and Breakfast hier). Und mit uns witzelte, „nun ja, lieber Gast, zuerst braucht es Mal ein Haus, mit Zimmern und Betten drin. Dazu braucht es eine Reservation, welche zeigt, dass du dich hier aufhalten darfst. Anschliessend, legst du dich am Abend hin und schläfst. Nach dem Aufwachen, kommst du bei uns vorbei, und darfst frühstücken. Oder was genau war deine Frage, wie es hier funktioniert?“

...zu guter Letzt, unvergessliche Lacher, dank der brasilianischen Aussprache englischer Worte, wie etwa Whatsapp = „watschisäppeli“, oder Flat White = „flätschis Whäiteli“. Seit dieser Begegnung, trägt Joël übrigens den Namen „Swel“ - bitte speichert Joël ab jetzt unter Swel ab und nennt ihn bitte auch so rsrsrsrsrsrsrs (= hahahahahhah).

Die 3 Monate in Brasilien waren für uns eine unbeschreibliche Zeit. Wir fühlten uns so wohl, dass dieses Land für uns zu einer weiteren Heimat wurde und einen grossen Platz in unserem Herzen für sich eroberte. Deshalb verliessen wir Brasilien mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Saudades demais o nosso querido Brasil <3 ah, und es hat da „Tucans, Tucans Tucans, Joël, lueg, lueg, lueg! Do hets Tucaaaans!!!“


PS: am Beschte dir göt säuber mau verbi :)


Com muuuuuita saudades também de vocês e com mais amor,




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